Angebot und Nachfrage einfach erklärt: Kurven & 10 Ursachen
Von der Kugel Eis bis zum Ölpreis: Angebot und Nachfrage entscheiden jeden Tag darüber, was Dinge kosten und wie viel davon gekauft wird. In diesem Artikel bauen wir das Modell Schritt für Schritt auf. Wir zeichnen die Nachfragekurve und die Angebotskurve, trennen sauber zwischen Bewegung und Verschiebung und gehen die je fünf Ursachen durch, die eine Kurve verschieben. Am Ende prüfen wir uns mit einem kurzen Selbsttest.
Kurz erklärt
Markt: der Ort, an dem Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen. Der Marktpreis gleicht die gegensätzlichen Interessen aus.
Nachfragekurve: fällt. Steigt der Preis, sinkt die nachgefragte Menge.
Angebotskurve: steigt. Steigt der Preis, steigt die angebotene Menge.
Wichtigste Unterscheidung: Ändert sich nur der Preis des Gutes, bewegen wir uns auf der Kurve. Ändert sich ein anderer Faktor, verschiebt sich die ganze Kurve.
Angebot und Nachfrage: Was ein Markt ist
In einer Marktwirtschaft planen alle Beteiligten nach ihrem Eigeninteresse, und diese Interessen laufen gegeneinander. Anbieter wollen ihren Gewinn maximieren und deshalb einen möglichst hohen Preis durchsetzen. Nachfrager wollen nach dem ökonomischen Prinzip mit ihrem Einkommen möglichst viel Nutzen erzielen und deshalb zu möglichst niedrigen Preisen kaufen. Wie dieser Gegensatz ausgeglichen wird, zeigt der Markt.
Markt: der Ort, an dem Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen. Er besteht aus zwei Gruppen: den potenziellen Käufern, die die Nachfrage bestimmen, und den potenziellen Verkäufern, die das Angebot bestimmen. Der Ausgleich ihrer Interessen erfolgt über den Marktpreis.
Ein bekanntes Beispiel ist das Finale der Fußball-WM im Juli 2006 in Berlin. Zinédine Zidane hatte angekündigt, dass es sein letztes Spiel sein würde. Offizielle Tickets gab es längst nicht mehr, aber unzählige Fans wollten ihn noch einmal sehen. Auf dem Schwarzmarkt stiegen die Preise auf das Vier- bis Fünffache des ursprünglichen Wertes. Hinter diesem Preissprung steckt nichts anderes als das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage: viele Interessenten, wenige Karten.
Wirtschaftswissenschaftler fassen dieses Zusammenspiel in einem Grundmodell zusammen. Es verbindet zwei Konzepte, die Nachfragekurve und die Angebotskurve, und hilft zu verstehen, wie und warum sich Preise ändern.
Die Nachfrage: Wie viel kaufen wir bei welchem Preis?
Nachfrageplan und Nachfragekurve
Die Nachfragekurve zeigt den Zusammenhang zwischen dem Preis eines Gutes und der bei diesem Preis nachgefragten Menge.
Wir nehmen das einfachste Beispiel, den Markt für Eiscreme. Ein Konsument überlegt, wie viele Kugeln er bei welchem Preis kaufen würde. Das Ergebnis halten wir in einem Nachfrageplan fest:

Zwei Punkte sind besonders wichtig. Selbst bei einem Preis von 0 € gibt es eine Grenze: die Sättigungsmenge von 12 Kugeln. Und ab einem Preis von 3,00 € kauft unser Konsument gar kein Eis mehr, das ist der Prohibitivpreis. Tragen wir alle Wertepaare in ein Diagramm ein und verbinden sie, erhalten wir die Nachfragekurve.

Gesetz der Nachfrage: Bei sonst unveränderten Randbedingungen (ceteris paribus) führt ein höherer Preis zu einer geringeren nachgefragten Menge. Sinkt der Preis, steigt die nachgefragte Menge.
Dieser Zusammenhang gilt für die allermeisten Güter so zuverlässig, dass Ökonomen ihn tatsächlich als „Gesetz“ bezeichnen.
Warum die Nachfragekurve fällt
Für das Verhalten gibt es drei Erklärungen, die sich ergänzen.
Der Substitutionseffekt
Wird ein Gut im Vergleich zu anderen teurer, ersetzen wir es durch eine Alternative. Steigt der Rindfleischpreis, greifen viele eher zu Hähnchenfleisch.
Der Einkommenseffekt
Steigt der Preis eines Gutes bei gleichem Einkommen, sinkt unser Realeinkommen, also die Kaufkraft. Mit demselben Geld können wir weniger kaufen, und die nachgefragte Menge nimmt in der Regel ab.
Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens
Jede weitere Einheit eines Gutes stiftet uns weniger Zusatznutzen als die vorherige. Die erste Kugel Eis an einem heißen Tag ist ein Genuss, die zehnte kaum noch. Mehr zum Hintergrund findest du in unserem Artikel zu den Grundlagen der Ökonomik.

In Abbildung 8 steigt der Gesamtnutzen U mit jeder Einheit, aber die Zuwächse ΔU werden immer kleiner. Bei der Menge xm ist der Grenznutzen null und das Nutzenmaximum erreicht. Daraus ergibt sich unsere Kaufregel:
Ein rational handelnder Haushalt fragt nur so lange eine weitere Einheit nach, wie der Grenznutzen größer ist als der Preis, den er dafür zahlen muss. Weil der Grenznutzen mit jeder Einheit sinkt, sind wir für jede zusätzliche Einheit nur bereit, weniger zu zahlen. Deshalb ist die Nachfragekurve auch eine Zahlungsbereitschaftskurve.
Ausnahmen: Wenn wir bei höherem Preis mehr kaufen
Nur in Ausnahmefällen ist das Gesetz der Nachfrage nicht eindeutig gültig. Man spricht dann von anormalem Nachfrageverhalten. Dafür gibt es mehrere Erklärungsansätze:
Der Qualitätsvermutungseffekt
Wir verbinden einen höheren Preis oft mit höherer Qualität, auch ohne inhaltlichen Grund. Bei unbekannten Produkten greifen viele deshalb nicht zum billigsten, sondern zu einem Produkt aus dem mittleren Preissegment.
Der Veblen-Effekt
Manche kaufen Güter nicht trotz, sondern wegen des hohen Preises, weil sie damit ihren sozialen Status zeigen wollen (Geltungskonsum).
Der Snob-Effekt
Ähnlich, aber hier steht die Einzigartigkeit eines Gutes im Vordergrund und nicht der Preis.
Daneben gibt es in der Theorie noch die sogenannten Giffen-Güter. Sie sind extrem selten und werden in der Grundlagenlehre ignoriert.
Die Marktnachfrage: alle Nachfrager zusammen
Am Markt zählt nicht ein einzelner Käufer, sondern die Gesamtheit. Die Marktnachfragekurve entsteht, indem wir für jeden Preis die nachgefragten Mengen aller Haushalte addieren. Weil wir dabei die Mengen auf der waagerechten Achse zusammenzählen, heißt das horizontale Aggregation.

In Abbildung 9 haben drei Haushalte A, B und C unterschiedliche Zahlungsbereitschaften. Beim Preis p fragen alle drei nach, die Marktnachfrage ist x = xB + xC + xA. Steigt der Preis über p*, steigt Haushalt B aus. Zwischen p‘ und p“ kauft nur noch Haushalt A, und über p“ kauft niemand mehr. Dadurch hat die Marktkurve Knicke. Mit sehr vielen Haushalten wird daraus eine gerade Linie.
Die Marktnachfragekurve zeigt die zusammengefassten Zahlungsbereitschaften aller Marktnachfrager.
Bewegung oder Verschiebung der Nachfragekurve?
Das ist die wichtigste Unterscheidung des ganzen Modells, und sie ist klausurrelevant. Es gibt genau zwei Fälle:
a) Bewegung entlang der Nachfragekurve: Es ändert sich nur der Preis des Gutes, alle anderen Faktoren bleiben konstant. Die Folge ist eine Änderung der nachgefragten Menge.
b) Verschiebung der Nachfragekurve: Es ändert sich ein anderer Einflussfaktor, nicht der Preis. Dann ändert sich die Menge bei jedem Preis, und die ganze Kurve rutscht in eine neue Position. Das ist eine Änderung der Nachfrage.

In Abbildung 10 steigt der Preis von 1 € auf 2 €. Wir wandern von Punkt A nach Punkt B, die nachgefragte Menge sinkt von 8 auf 4 Kugeln. Die Kurve selbst bleibt unverändert.
Bei der Verschiebung ist es anders. Als Zidane sein Karriereende angekündigt hatte, wollten bei jedem Preis mehr Menschen ein Ticket kaufen. Der Preis des Tickets war dafür nicht die Ursache, die Ankündigung hat die Nachfragekurve nach rechts verschoben.

| Verschiebung | Bedeutung |
|---|---|
| D1 → D2 (nach rechts) | Nachfrageanstieg: Die nachgefragte Menge steigt unabhängig vom Marktpreis. |
| D1 → D3 (nach links) | Nachfragerückgang: Die nachgefragte Menge sinkt unabhängig vom Marktpreis. |
Die 5 Ursachen für eine Verschiebung der Nachfrage
Bei jedem Gut gibt es mehrere Einflussfaktoren, die bestimmen, wie viel bei einem gegebenen Preis nachgefragt wird. Ökonomen führen Verschiebungen im Wesentlichen auf fünf Faktoren zurück.
Das Durchschnittseinkommen
Steigt das Einkommen, kaufen wir bei den meisten Gütern mehr, auch wenn die Preise gleich bleiben. Die Kurve wandert nach rechts. Solche Güter heißen normale Güter. Bei inferioren Gütern ist es umgekehrt: Mit höherem Einkommen sinkt die Nachfrage, zum Beispiel bei Bus- und Bahnfahrten oder einigen Lebensmitteln, weil wir auf hochwertigere Güter umsteigen.
Die Preise verwandter Güter
Bei Substituten (austauschbaren Gütern) wie Wein und Bier steigt die Nachfrage nach dem einen, wenn das andere teurer wird: Kurve nach rechts. Bei Komplementen (sich ergänzenden Gütern) wie Autos und Kraftstoff oder Computern und Software sinkt die Nachfrage, wenn das Ergänzungsgut teurer wird: Kurve nach links.
Geschmack und Präferenzen
Kulturelle und historische Einflüsse verändern, was wir wollen. So ging die Nachfrage nach Hüten nach dem Krieg zurück. Über solche Änderungen können Ökonomen wenig vorhersagen, sie nehmen sie meist als gegeben an.
Erwartungen
Wer erwartet, dass etwas bald billiger wird, wartet ab: Die Nachfrage sinkt heute (Weihnachtsgeschenke, die nach dem Fest reduziert werden). Wer steigende Preise erwartet, kauft lieber jetzt: Die Nachfrage steigt. Auch erwartetes Einkommen spielt hinein. Dazu kommt Herdenverhalten, wie die Hamsterkäufe von Toilettenpapier in der Corona-Krise 2020.
Bevölkerungsgröße und -struktur
Je mehr Menschen es gibt, desto mehr Waren und Dienstleistungen werden nachgefragt. Die rund 30 Millionen Kalifornier kaufen etwa neunzigmal so viele Äpfel und PCs wie die rund 330.000 Einwohner von Bielefeld. Auch die Altersstruktur zählt: In einer alternden Gesellschaft steigt die Nachfrage nach kleineren Autos, betreutem Wohnen und Pflegeheimen.

Zusammengefasst: Die Nachfragekurve zeigt, was mit der nachgefragten Menge passiert, wenn sich der Preis des Gutes ändert und alle anderen Einflussfaktoren konstant bleiben. Ändert sich einer dieser Faktoren, verschiebt sich die Kurve nach links (Abnahme) oder nach rechts (Zunahme).
Praxisbeispiel: Wie der Staat den Tabakkonsum senken kann
Der Staat hat zwei Wege. Weg 1: Warnhinweise auf den Packungen und Werbeverbote verändern die Präferenzen. Wirken sie, verschiebt sich die Nachfragekurve nach links. Weg 2: Eine hohe Tabaksteuer. Die Hersteller geben sie an die Käufer weiter, der Preis steigt, und wir bewegen uns auf der Kurve zu geringeren Mengen. Studien berichten, dass 10 % mehr Preis die Menge um etwa 4 % senken, bei Jugendlichen sogar um etwa 12 %. Übrigens gelten Tabak und Marihuana empirisch eher als Komplemente, nicht als Substitute.
Das Angebot: Wie viel bieten wir bei welchem Preis an?
Angebotsplan und Angebotskurve
Die Angebotskurve zeigt den Zusammenhang zwischen dem Preis eines Gutes und der bei diesem Preis angebotenen Menge.
Zum Angebot gehören die Bedingungen, zu denen Unternehmen ihre Produkte herstellen und verkaufen. Bleiben wir bei der Eiscreme: Bei einem hohen Preis lohnt sich der Verkauf viel mehr als bei einem niedrigen. Die Eisproduzenten würden dann einiges tun, um die Menge zu steigern, etwa mehr Eismaschinen kaufen, zusätzliche Mitarbeiter einstellen oder länger öffnen. Sinkt der Preis sehr stark, sinken auch die Gewinne, und am Ende schließen Anbieter ihre Geschäfte. Die angebotene Menge wäre dann null.
Gesetz des Angebots: Bei sonst unveränderten Randbedingungen führt ein höherer Preis zu einer steigenden angebotenen Menge. Bei sinkendem Preis sinkt die angebotene Menge.

Tabelle 3 zeigt, wie viele Kugeln der Eisverkäufer bei welchem Preis anbietet. Bei einem Preis von 1,00 € ist es eine Kugel, unter 1,00 € wird nichts angeboten, und bei 3,00 € sind es fünf Kugeln.

Im Gegensatz zur Nachfragekurve verläuft die Angebotskurve von links unten nach rechts oben und hat eine positive Steigung: Preis und Menge stehen in einem direkten Verhältnis.
Warum die Angebotskurve steigt
Der Grund ist das Gesetz der abnehmenden Grenzerträge, das man auch als Gesetz der steigenden Grenzkosten bezeichnet. In unserer Eisdiele ist die Produktionsstätte in ihrer Größe begrenzt. Wollen wir mehr Eis herstellen, müssen wir mehr Arbeitskräfte in denselben Raum stellen. Jede zusätzliche Kraft bringt dann weniger zusätzliche Menge als die vorherige. Die Kosten für jede weitere Einheit, die Grenzkosten, steigen.
Ein Anbieter produziert so lange, wie der Preis mindestens so hoch ist wie die Grenzkosten. Darum ist die Angebotskurve im Kern die Grenzkostenkurve.

Wichtig ist eine Einschränkung: Bis zu einem gewissen Punkt sinken die Grenzkosten bei steigender Menge sogar. Die vorhandenen Kapazitäten werden besser ausgelastet, die Fixkosten verteilen sich auf mehr Stück (Fixkostendegression), und Spezialisierung und Lerneffekte werden möglich. Früher oder später ist dieses Kostensenkungspotenzial aber erschöpft, und die Grenzkosten steigen mit der Menge wieder. Dieser steigende Teil bildet die Angebotskurve.
Das Marktangebot: alle Anbieter zusammen
Das Gesamtangebot eines Gutes ergibt sich aus dem Angebot aller Unternehmen, die es herstellen. Es ist die Summe der Mengen, die die Unternehmen bei den jeweiligen Preisen anbieten. Grafisch addieren wir wieder die Mengen aller einzelnen Angebotskurven, also eine horizontale Aggregation.

In Abbildung 13 haben die Unternehmen A, B und C unterschiedliche Kostenstrukturen. Zwischen p und p‘ bietet nur Unternehmen C an, weil die anderen beiden noch nicht wettbewerbsfähig sind. Ab p‘ kommt B hinzu. Beim Marktpreis p* bietet A die Menge xA an, B die Menge xB und C die Menge xC. Das Marktangebot ist x* = xB + xC + xA.
Die Marktangebotskurve zeigt die zusammengefassten Produktionsgrenzkosten aller Marktanbieter.
Bewegung oder Verschiebung der Angebotskurve?
Das Prinzip kennen wir schon, nur steht jetzt die Angebotsseite im Mittelpunkt. Der Preis sendet Informationen in beide Richtungen: an die Verbraucher und an die Produzenten. Ändert sich eine Bedingung auf der Angebotsseite, entsteht ein neuer Angebotsplan und damit eine neue Kurve.
Bewegung entlang der Angebotskurve: Nur der Preis ändert sich. Die Folge ist eine Änderung der angebotenen Menge.
Verschiebung der Angebotskurve: Ein anderer Faktor ändert sich. Die Folge ist eine Änderung des Angebots.

Steigt der Preis von 1 € auf 3 €, wandern wir auf der Kurve von A nach C. Die angebotene Menge steigt von einer auf fünf Kugeln. Verschiebungen sehen anders aus:

| Verschiebung | Bedeutung |
|---|---|
| S1 → S2 (nach rechts) | Angebotsanstieg: Die angebotene Menge steigt unabhängig vom Marktpreis. |
| S1 → S3 (nach links) | Angebotsrückgang: Die angebotene Menge sinkt unabhängig vom Marktpreis. |
Zurück zu Zidane: Nach der Ankündigung gab es weniger Menschen, die ihre Tickets zu jedem gegebenen Preis an Schwarzhändler verkaufen wollten. Das Angebot ist also gesunken, die Kurve ging nach links.
Die 5 Ursachen für eine Verschiebung des Angebots
Auch beim Angebot gehen Ökonomen von fünf Hauptfaktoren aus.
Inputpreise und Produktionskosten
Als Input bezeichnet man ein Gut, das für die Herstellung eines anderen verwendet wird. Steigen die Inputpreise, wird die Herstellung teurer, und die Verkäufer sind bei jedem Preis weniger bereit anzubieten: Kurve nach links. Sinken die Inputpreise, wird die Produktion profitabler: Kurve nach rechts.
Technologischer Fortschritt
Bessere Technologie verringert den Input, der für einen bestimmten Output nötig ist. Heute braucht man wesentlich weniger Arbeitsstunden für ein Auto als vor zwanzig Jahren, die Hersteller können zum selben Preis mehr Autos produzieren. Die Kurve geht nach rechts.
Erwartungen
Auch hier zählt, was die Anbieter für die Zukunft erwarten. Rechnen sie mit einem kräftigen Preisanstieg, halten sie Ware zurück und lagern sie ein, um später teurer zu verkaufen: Das Angebot heute sinkt, die Kurve geht nach links. Erwarten sie fallende Preise, verkaufen sie lieber jetzt: Kurve nach rechts. Gute Zukunftsaussichten bewegen Unternehmen außerdem dazu, ihre Kapazität auszuweiten.
Anzahl der Anbieter
Je mehr Anbieter auf dem Markt sind, desto größer ist das Marktangebot: Kurve nach rechts. Entscheiden sich Unternehmen, die Produktion zu schließen und aus dem Markt auszutreten, sinkt das Angebot: Kurve nach links.
Natürliche, gesellschaftliche und wirtschaftspolitische Faktoren
Dazu gehören Wetter und Naturkatastrophen (vor allem in der Landwirtschaft), Seuchen und Epidemien sowie die öffentliche Meinung, etwa neue Trends bei Klimawandel oder Bio-Lebensmitteln. Auch die Politik greift ein: Umweltauflagen, Steuern, Mindestlöhne und die Handelspolitik beeinflussen die Produktionskosten. Ein Freihandelsabkommen beseitigt Importquoten und Zölle und führt direkt zu einem Angebotsanstieg.

Gute Frage: Verschiebt viel Konkurrenz die Angebotskurve nach links?
Nein, nicht direkt. Mehr Anbieter bedeuten immer mehr Marktangebot, weil wir einfach mehr Einzelangebote addieren: Die Kurve geht nach rechts. Konkurrenz ist ein anderer Effekt. Sie zeigt sich vor allem im Preis und in den Gewinnen der Anbieter: Viele Wettbewerber drücken den Preis, und das einzelne Unternehmen setzt weniger ab. Langfristig kann es dann doch zu einer Linksverschiebung kommen. Sinkt der Preis so stark, dass einige Unternehmen Verluste machen, verlassen sie den Markt, und das ist genau der Fall „weniger Anbieter, Kurve nach links“.
Praxisbeispiel: Fracking und der Ölpreis
In unserem Modell kann kein einzelner Käufer oder Verkäufer den Marktpreis bestimmen. Die OPEC ist ein Gegenbeispiel: Die großen Förderländer können den Preis über ihre Angebotsmenge beeinflussen. Durch das Fracking kam jedoch zusätzliches Angebot hinzu. Die Angebotskurve verschob sich nach rechts, und bei stabiler Nachfrage sank der Ölpreis. Schieferöl ist außerdem ein Substitut für klassisches Erdöl. Umweltschützer kritisieren, dass die Umweltkosten des Frackings im Preis nicht berücksichtigt werden.
Typische Fehler bei Angebot und Nachfrage
Bewegung und Verschiebung verwechseln
Ändert sich nur der Preis, bewegen wir uns auf der Kurve. Eine Verschiebung braucht immer einen anderen Einflussfaktor.
Nachfrage und nachgefragte Menge gleichsetzen
Die Nachfrage ist die ganze Kurve, die nachgefragte Menge ein einzelner Punkt darauf. Dasselbe gilt für Angebot und angebotene Menge.
Konkurrenz mit einer Linksverschiebung gleichsetzen
Mehr Anbieter verschieben die Angebotskurve nach rechts. Konkurrenz wirkt zuerst auf den Preis.
Merksatz
Die Nachfragekurve fällt, die Angebotskurve steigt. Ändert sich nur der Preis, bewegen wir uns auf der Kurve (die Menge ändert sich). Ändert sich ein anderer Faktor, verschiebt sich die ganze Kurve (Nachfrage bzw. Angebot ändern sich).
Selbsttest: Angebot und Nachfrage
Selbsttest: Angebot & Nachfrage
7 Fragen zu Angebot und Nachfrage. Direktes Feedback, kein Speichern, keine Anmeldung.
Frage 1 / 7
Zum Weiterlesen: Buchtipp
Wer das Modell von Angebot und Nachfrage noch tiefer verstehen möchte, findet in den Lehrbuchklassikern der Volkswirtschaftslehre viele weitere Beispiele, zum Beispiel in Mankiw und Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre.
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Weiterlesen
- Grundlagen der Ökonomik: Knappheit, ökonomisches Prinzip und Homo oeconomicus
- Volkswirtschaftliche Grundbegriffe: Produktionsfaktoren, Wirtschaftskreislauf und Wirtschaftsordnungen
Mehr zum Modell auch bei Wikipedia: Angebot und Nachfrage.
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