Big Five Test: Kostenloser Persönlichkeitstest mit 25 Aussagen
Wer den Myers-Briggs-Test nach fünf Wochen wiederholt, landet in rund der Hälfte der Fälle auf mindestens einer Skala woanders. Unser Big Five Test misst deshalb anders: fünf Eigenschaften, jede stufenlos von 0 bis 100.
Die meisten Persönlichkeitstests im Netz verteilen Schubladen. Dabei zeigt die Forschung seit Jahrzehnten: Persönlichkeit ist ein Regler, kein Schalter. Wir haben deshalb einen Persönlichkeitstest kostenlos und ohne Anmeldung gebaut. Er nutzt 25 gemeinfreie Aussagen, legt die Auswertung offen und liefert ein Ergebnis zum Teilen. Er gehört zu unseren kostenlosen Selbsttests.
- Kurz erklärt
- Big Five Test: 25 Aussagen, rund 3 Minuten
- Woher stammen die Aussagen im Big Five Test?
- Was bedeuten die fünf Faktoren im Alltag?
- Ändert sich die Persönlichkeit nach 20 noch?
- Warum Gewissenhaftigkeit am meisten über Leistung verrät
- Big Five Test oder MBTI: Was ist besser belegt?
- Typische Fehler beim Big Five Test
- Merksatz
- Selbsttest
- Weiterlesen und Quellen
Kurz erklärt
Der Big Five Test misst fünf Eigenschaften: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Jede liegt auf einer stufenlosen Skala. Ab dem Erwachsenenalter ist die Persönlichkeit recht stabil, bis etwa 40 werden Menschen im Schnitt aber gewissenhafter und gelassener. Gewissenhaftigkeit hängt in Metaanalysen am stärksten mit Leistung in Job und Studium zusammen. Unser Kurztest zeigt eine grobe Tendenz und ist keine Diagnose.
Big Five Test: 25 Aussagen, rund 3 Minuten
Wir klicken bei jeder Aussage an, wie sehr sie auf uns zutrifft, von 1 bis 5. Nach der letzten Antwort zeigt der Big Five Test fünf Balken und einen Satz zu der Eigenschaft, die am weitesten von der Mitte abweicht. Das Ergebnis lässt sich mit einem Klick teilen. Gespeichert wird nichts.
Wie sehr trifft jede Aussage auf uns zu? Spontan antworten, nicht wie wir gern wären. Das Ergebnis erscheint nach der 25. Antwort.
Aussagen: eigene Übersetzung von IPIP-Items (ipip.ori.org, gemeinfrei, Goldberg 1999). Werte = Lage auf der Skala 0 bis 100, Mitte 50. Keine Prozentränge, keine Diagnose. Nichts wird gespeichert.
So rechnet der Test
Jede Eigenschaft hat fünf Aussagen. Drei sind normal gepolt, zwei umgepolt. Umgepolt sind die Aussagen 6 bis 10 und 16 bis 20. Dort drehen wir die Antwort um, aus 5 wird 1 und aus 4 wird 2. Danach bilden wir pro Eigenschaft den Mittelwert und rechnen ihn auf 0 bis 100 um: (Mittelwert minus 1) geteilt durch 4, mal 100. Wer überall 5 klickt, bekommt deshalb nicht fünfmal 100, sondern fünfmal 60.
Nehmen wir Ole, 22, dualer Student, eine erfundene Beispielperson. Sein Profil: Offenheit 80, Gewissenhaftigkeit 35, Extraversion 55, Verträglichkeit 70, Neurotizismus 60. Der Test hebt Offenheit hervor, 30 Punkte über der Mitte. Das passt: Ole fängt ständig neue Projekte an. Die 35 bei Gewissenhaftigkeit erklärt, warum nur wenige davon fertig werden.
Woher stammen die Aussagen im Big Five Test?
Alle 25 Aussagen stammen aus dem International Personality Item Pool, kurz IPIP. Der US-Psychologe Lewis R. Goldberg hat diese Sammlung aufgebaut (Goldberg 1999). Sie ist gemeinfrei. Jeder darf die Aussagen ohne Erlaubnis nutzen, übersetzen und verändern.
Bekannte Fragebögen wie das NEO-PI-R sind urheberrechtlich geschützt und kosten Geld. Für unseren Big Five Persönlichkeitstest haben wir fünf Aussagen pro Faktor aus Goldbergs 50 „Big-Five Factor Markers“ gewählt und selbst ins Deutsche übersetzt.
Zwei von fünf Aussagen pro Faktor zählen verkehrt herum. „Ich halte mich lieber im Hintergrund“ spricht gegen Extraversion. Solche umgepolten Aussagen bremsen Menschen, die aus Gewohnheit allem zustimmen. Dass so kurze Formen grob funktionieren, zeigt das Mini-IPIP mit nur 20 Aussagen (Donnellan u. a. 2006). Lange Fassungen mit 100 oder mehr Aussagen messen aber genauer.
Was bedeuten die fünf Faktoren im Alltag?
Jeder Faktor bündelt viele Eigenschaftswörter, mit denen Menschen einander beschreiben. Forscher fanden in Wörterbüchern immer wieder dieselben fünf Gruppen (Goldberg 1990). Hoch oder niedrig ist dabei weder gut noch schlecht.

Offenheit
Offenheit beschreibt Neugier auf Ideen, Kunst und Ungewohntes. Ole liest nachts Artikel über Schwarze Löcher. Menschen mit niedriger Offenheit bestellen lieber ihr bewährtes Lieblingsgericht. Sie mögen Bewährtes und denken gern praktisch.
Gewissenhaftigkeit
Gewissenhaftigkeit heißt Ordnung, Planung und Durchhalten. Die eine schreibt die Hausarbeit zwei Wochen vor der Abgabe fertig. Der andere sitzt in der Nacht davor. Wer hier niedrig liegt, ist oft spontaner und kommt mit Chaos besser klar. Ob Aufschieben bei uns ein Muster ist, prüft der Prokrastination Test.
Extraversion
Extraversion zeigt, woher wir Energie ziehen. Extravertierte kommen von einer Party aufgedreht nach Hause. Introvertierte brauchen nach drei Stunden Trubel einen ruhigen Abend. Beides ist normal.
Verträglichkeit
Verträglichkeit steht für Mitgefühl und Kooperation. In der WG schlichtet meist die Person mit hohen Werten. Wer niedrig liegt, sagt in der Gruppenarbeit offen, dass der Plan nicht taugt. Das nervt manchmal und rettet manchmal das Projekt.
Neurotizismus
Neurotizismus misst, wie stark wir auf Stress und Rückschläge reagieren. Das Gegenteil heißt emotionale Stabilität. Bei hohen Werten reicht eine Nachricht vom Chef mit „Kurz Zeit?“, und der Kopf spielt Szenarien durch. Neurotizismus ist eine normale Eigenschaft und keine Krankheit. Gegen akuten Stress helfen einfache Atemübungen gegen Stress.
Ändert sich die Persönlichkeit nach 20 noch?
Ja, langsam. Die Rangfolge zwischen Menschen wird mit dem Alter immer fester. Gleichzeitig werden die meisten zwischen 20 und 40 gewissenhafter und emotional stabiler. Die Forschung nennt das Reifungsprinzip (Caspi, Roberts und Shiner 2005).
Roberts und DelVecchio werteten 2000 insgesamt 152 Längsschnittstudien aus. Gemessen wurde, wie stark zwei Messungen derselben Menschen zusammenhängen. Eine Korrelation von 1 hieße: Die Rangfolge bleibt exakt gleich. In der Kindheit lag der Wert bei 0,31, in der Studienzeit bei 0,54, mit 30 bei 0,64 und zwischen 50 und 70 bei etwa 0,74.

Auch der Durchschnitt verschiebt sich. Eine Metaanalyse von Roberts, Walton und Viechtbauer (2006) mit 92 Stichproben fand: Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität steigen vor allem zwischen 20 und 40. Offenheit wächst in der Jugend und sinkt im hohen Alter. Für Ole heißt das: Seine 35 bei Gewissenhaftigkeit ist eine Momentaufnahme mit 22, kein Urteil fürs Leben.
Warum Gewissenhaftigkeit am meisten über Leistung verrät
Weil sie in großen Metaanalysen als einziger Faktor in allen untersuchten Berufsgruppen mit Leistung zusammenhing. Barrick und Mount werteten 1991 insgesamt 117 Studien mit 23.994 Personen aus. Ob Polizei, Vertrieb oder Management, die mittlere Korrelation lag bei 0,22.
In Schule und Studium sieht es ähnlich aus. Poropat (2009) fasste Daten von über 70.000 Lernenden zusammen. Gewissenhaftigkeit korrelierte mit 0,19 mit Noten, Intelligenz mit 0,23. An Hochschulen sagte Gewissenhaftigkeit die Leistung etwa so gut voraus wie Intelligenz.
Eine Korrelation von 0,22 erklärt rechnerisch rund 5 Prozent der Unterschiede (0,22 mal 0,22). Ein Big Five Test sagt also wenig über einen einzelnen Menschen. Wichtiger ist: Das Verhalten dahinter lässt sich üben. Wie das geht, zeigen Selbstdisziplin lernen und Motivation verstehen.
Big Five Test oder MBTI: Was ist besser belegt?
Der Big Five Test, und zwar deutlich. Der MBTI sortiert Menschen über vier Entweder-oder-Achsen in 16 Typen. Das Big-Five-Modell misst stattdessen Abstufungen. Es ist das Standardmodell der Persönlichkeitspsychologie.
Das erste Problem des MBTI ist die Grenze. Wer auf einer Achse knapp über der Mitte liegt, gilt als „E“. Mit einer Antwort Unterschied wird daraus ein „I“. Pittenger (2005) berichtet deshalb: Bei einer Wiederholung nach fünf Wochen bekam die Hälfte der Teilnehmenden auf mindestens einer Skala eine andere Einordnung.
Das zweite Problem ist eine Lücke. McCrae und Costa verglichen 1989 beide Tests an 468 Erwachsenen. Die vier MBTI-Skalen deckten Teile von vier Big-Five-Faktoren ab. Neurotizismus fehlte, obwohl er im Alltag viel erklärt. Als Gesprächsanlass kann der MBTI Spaß machen. Den offiziellen Test gibt es aber nur gegen Bezahlung, freie 16-Typen-Tests im Netz sind Nachbauten. Wer einen Persönlichkeitstest kostenlos und gut belegt sucht, ist mit einem Big Five Persönlichkeitstest besser bedient.
Eigenes Produkt: Gewohnheiten-E-Book (7,99 €)
Gewissenhaftigkeit wächst über kleine, feste Routinen. Unser E-Book zeigt Schritt für Schritt, wie neue Gewohnheiten entstehen und bleiben. Passend für alle, deren Balken bei Gewissenhaftigkeit kürzer ist als gewünscht.
Typische Fehler beim Big Five Test
Den Wert als Prozentrang lesen
Eine 70 heißt nicht, dass wir verträglicher sind als 70 Prozent aller Menschen. Für Prozentränge braucht es eine große Vergleichsgruppe. Die gibt es für unsere Übersetzung nicht. Die Zahl zeigt nur, wo wir auf der Skala liegen.
Sich so beschreiben, wie wir gern wären
Wer bei „Ich bin immer gut vorbereitet“ an seinen besten Tag denkt, verzerrt das Ergebnis. Ein guter Gegencheck: Eine Person, die uns gut kennt, beantwortet dieselben Aussagen über uns.
Hohe Werte für besser halten
Oles hohe Offenheit bringt Ideen, aber auch zehn halbe Projekte. Niedrige Verträglichkeit kann in einer Diskussion genau die richtige Portion Widerspruch liefern. Es kommt auf die Lage an.
Den Big Five Persönlichkeitstest als Diagnose nutzen
Ein hoher Wert bei Neurotizismus ist keine Depression und keine Angststörung. Wer sich über Wochen niedergeschlagen fühlt, spricht besser mit der Hausarztpraxis. Rund um die Uhr erreichbar ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.
Merksatz
Persönlichkeit ist ein Profil aus fünf Reglern, kein Typ. Der Big Five Test zeigt, wo sie heute stehen. Die Forschung zeigt, dass sie sich bis ins mittlere Alter noch bewegen.
Heute Abend: den Big Five Test machen, das Ergebnis an eine Person schicken, die uns gut kennt, und fragen, bei welchem Balken sie widersprechen würde.
Selbsttest
Sieben Fragen zum Big Five Test, zur Forschung dahinter und zum MBTI.
Weiterlesen und Quellen
- Prokrastination Test
- Chronotyp Test
- Lerntyp Test
- Gewohnheiten aufbauen
- Alle kostenlosen Rechner und Selbsttests
- Big Five (Psychologie) bei Wikipedia
- International Personality Item Pool (IPIP)
- Dunning-Kruger-Effekt: Wie gut schätzen wir uns ein?
Quellen (Stand 04.11.2026): Goldberg (1999), Personality Psychology in Europe 7; Goldberg u. a. (2006), Journal of Research in Personality 40; IPIP-Itemliste der 50 Big-Five Factor Markers (ipip.ori.org); Donnellan, Oswald, Baird und Lucas (2006), Mini-IPIP, Psychological Assessment 18(2); Goldberg (1990), Journal of Personality and Social Psychology 59(6); Roberts und DelVecchio (2000), Psychological Bulletin 126(1); Roberts, Walton und Viechtbauer (2006), Psychological Bulletin 132(1); Caspi, Roberts und Shiner (2005), Annual Review of Psychology 56; Barrick und Mount (1991), Personnel Psychology 44(1); Poropat (2009), Psychological Bulletin 135(2); Pittenger (2005), Consulting Psychology Journal 57(3); McCrae und Costa (1989), Journal of Personality 57(1).
Newsletter
