Erste eigene Wohnung: Kosten berechnen, bevor wir ausziehen
54 Prozent. So viel ihres Einkommens geben Studierende mit eigener Wohnung im Schnitt fürs Wohnen aus. Wer für die erste eigene Wohnung Kosten nur grob überschlägt, landet schnell in genau dieser Lage.
Unsere These: Die meisten rechnen beim Auszug mit der Kaltmiete. Dabei ist sie in unserem Rechenbeispiel nur 40 Prozent der Monatskosten. Und vor dem ersten Monat sind schon mehrere Tausend Euro weg. Wir rechnen beides durch, samt Anteil am Netto und Sparzeit. Weitere Rechner stehen in der Übersicht aller Tools.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Rechts- und keine Finanzberatung. Fördergeld und Gesetze ändern sich, alle Beträge stehen mit Stand und Quelle (geprüft am 04.11.2026).
- Kurz erklärt
- Erste eigene Wohnung: Kosten, die in keiner Anzeige stehen
- Rechner: erste eigene Wohnung Kosten berechnen
- Kaution, Umzug, Möbel: was vor dem Einzug fällig wird
- Nebenkosten, Strom, Rundfunk: die laufenden Posten
- Erste eigene Wohnung Kosten: Wie viel Miete ist zu viel?
- Wie lange sparen wir bis zum Auszug?
- Wohngeld, BAföG, BAB: wer bekommt Hilfe?
- Checkliste erste Wohnung
- Typische Fehler
- Merksatz
- Selbsttest
- Weiterlesen und Quellen
Kurz erklärt
Für die erste eigene Wohnung Kosten in zwei Blöcken planen. Einmalig: Kaution (höchstens drei Kaltmieten), Umzug, Möbel, Erstausstattung. Laufend: Kaltmiete, Nebenkosten (im Schnitt 2,67 Euro pro m²), Strom, Internet, Rundfunkbeitrag, Versicherungen, Essen. Faustregel: Wohnkosten unter 30 bis 40 Prozent des Nettos.
Erste eigene Wohnung: Kosten, die in keiner Anzeige stehen
In der Anzeige steht die Kaltmiete. Die echten Monatskosten liegen deutlich höher, weil Nebenkosten, Strom, Internet, Versicherungen und Essen dazukommen. Wer für die erste eigene Wohnung Kosten nur nach der Anzeige plant, unterschätzt sie.
Nehmen wir Fenja, 19, ein ausgedachtes Beispiel. Sie ist im zweiten Ausbildungsjahr und hat 1.050 Euro netto. Ihre Traumwohnung: 35 m² für 400 Euro kalt. Mit allen Posten kommt sie aber auf 996 Euro im Monat. Es bleiben 54 Euro übrig.

Rechner: erste eigene Wohnung Kosten berechnen
Der Rechner zählt alle Posten zusammen, vergleicht die Wohnkosten mit dem Netto und zeigt per Ampel, wo wir nach der Faustregel stehen. Dazu kommen einmalige Kosten und Sparzeit.
Startwerte = Beispiel aus dem Text. Eigene Zahlen eintragen, Beträge in Euro.
Faustregel: bis 30 Prozent entspannt, über 40 Prozent Überbelastung (Eurostat). Wohnkosten = Kaltmiete, Nebenkosten, Strom. Keine Finanzberatung.
Bei Fenja zeigt die Ampel Rot: Kaltmiete, Nebenkosten und Strom fressen 51 Prozent ihres Nettos. Ein WG-Zimmer kostet laut Moses Mendelssohn Institut und WG-Gesucht im Schnitt 510 Euro warm, meist mit Strom und Internet (Wintersemester 2026/27). Ihre Wohnung kostet für dieselben Posten 567 Euro. Wer für die erste eigene Wohnung Kosten vergleicht, sollte die WG immer mitrechnen.
Kaution, Umzug, Möbel: was vor dem Einzug fällig wird
Vor dem Einzug fallen Kaution, Umzug, Möbel und Erstausstattung an, bei Fenja 3.400 Euro. Ein großer Posten ist die Kaution. Sie darf laut § 551 BGB höchstens drei Monatsmieten ohne Nebenkosten betragen, bei 400 Euro kalt also 1.200 Euro.
Die Kaution darf in drei gleichen Monatsraten fließen. Die erste Rate ist zu Beginn des Mietverhältnisses fällig. Der Vermieter muss das Geld getrennt von seinem Vermögen anlegen. Beim Auszug kommt es zurück, wenn keine Schäden oder Nachzahlungen offen sind.
Umzug, Möbel und Küche schwanken stark. Unsere Werte im Rechner sind Beispiele: 300 Euro Umzug, 1.500 Euro für Möbel und Küche, 400 Euro für Geschirr, Lampen und Putzzeug. Gebrauchte Möbel oder die Küche des Vormieters drücken den Betrag.
Nebenkosten, Strom, Rundfunk: die laufenden Posten
Für die erste eigene Wohnung Kosten zu schätzen gelingt am besten mit Durchschnittswerten aus offiziellen Quellen.
Nebenkosten pro Quadratmeter
Laut Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbunds lagen die Nebenkosten im Abrechnungsjahr 2024 im Schnitt bei 2,67 Euro pro m² und Monat (veröffentlicht am 18.12.2025). Davon entfallen 1,32 Euro auf Heizung und Warmwasser. Für 35 m² sind das rund 93 Euro.
Strom
Ein Single in einer Wohnung ohne elektrisches Warmwasser liegt laut Stromspiegel 2025 im mittleren Bereich bei bis zu 1.400 kWh im Jahr. Der BDEW nennt für 2026 einen Durchschnittspreis von 37,3 Cent pro kWh (Stand Oktober 2026). Das ergibt rund 44 Euro im Monat. Genauer rechnet unser Artikel Stromkosten berechnen.
Rundfunkbeitrag
Der Rundfunkbeitrag kostet 18,36 Euro im Monat pro Wohnung (Stand 11/2026). Die KEF hat im Februar 2026 für 2027 eine Erhöhung auf 18,64 Euro empfohlen, die Länder müssen zustimmen. In einer WG zahlt eine Person für alle.
Versicherungen, Internet, Essen
Die wichtigste Versicherung ist die Privathaftpflicht. Stiftung Warentest fand im Mai 2026 sehr gute Familientarife ab 48 Euro im Jahr. Wer noch in der ersten Ausbildung ist, ist je nach Tarif bei den Eltern mitversichert. Für Haftpflicht und Hausrat setzen wir 10 Euro im Monat an, für Internet 30 Euro (Beispielwerte). Für Essen sieht der Bürgergeld-Regelsatz 2026 rund 195 Euro vor, das Existenzminimum. Wir rechnen mit 250 Euro. Wie sich kleine Abos summieren, zeigt der Abo-Rechner.

Erste eigene Wohnung Kosten: Wie viel Miete ist zu viel?
Als Faustregel gelten Wohnkosten bis 30 Prozent des Nettos als entspannt. Ab 40 Prozent spricht die Statistik von Überbelastung. Diese Grenze nutzen Eurostat und das Statistische Bundesamt. Ein Gesetz ist das nicht.
Zahlen von Destatis (EU-SILC 2025, Juli 2026) zeigen, wie oft junge Leute darüber liegen. Die Gesamtbevölkerung gibt 24 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus. Studierende mit eigenem Haushalt kommen auf 54 Prozent, allein lebend sogar auf 56 Prozent. Rund 65 Prozent von ihnen gelten als überbelastet.

Liegt die Ampel im Rechner auf Rot, brauchen wir eine günstigere Wohnung, mehr Einkommen, Fördergeld oder ein WG-Zimmer. Wie wir das Netto sinnvoll aufteilen, zeigt die 50-30-20-Regel. Sie gibt Miete und Fixkosten zusammen 50 Prozent.
Wie lange sparen wir bis zum Auszug?
Das Startkapital sind die einmaligen Kosten plus ein Monat laufende Kosten als Puffer. Bei Fenja: 3.400 plus 996 Euro, also 4.396 Euro. Sie hat 1.000 Euro gespart und legt 200 Euro im Monat zurück. Damit braucht sie 17 Monate.
Den Puffer rechnen wir mit, weil erste Miete, Kaution und Umzug oft im selben Monat anfallen. Danach sollte ein eigener Notgroschen wachsen, spätestens für die erste Nebenkosten-Nachzahlung.
Wer für die erste eigene Wohnung Kosten schneller ansparen will, zahlt die Kaution in Raten, richtet gebraucht ein oder erhöht die Sparrate. Schon 100 Euro mehr im Monat machen bei Fenja aus 17 Monaten 12.
Wohngeld, BAföG, BAB: wer bekommt Hilfe?
Azubis prüfen zuerst Berufsausbildungsbeihilfe, Studierende BAföG, Berufseinsteiger mit kleinem Gehalt Wohngeld. Hier nur der grobe Überblick, verbindlich ist die zuständige Stelle.
BAB für Azubis
Die Arbeitsagentur zahlt BAB bei betrieblicher Ausbildung, wenn wir nicht bei den Eltern wohnen. Unter 18 nur, wenn der Betrieb von zu Hause nicht in angemessener Zeit erreichbar ist (§ 60 SGB III). Vergütung und Elterneinkommen werden angerechnet.
BAföG für Studierende
Wer nicht bei den Eltern wohnt, bekommt im BAföG eine Wohnpauschale von 380 Euro im Monat (§ 13 BAföG). Eine Erhöhung auf 440 Euro ist für April 2027 geplant, aber noch nicht beschlossen (Stand 19.10.2026).
Wohngeld
Wohngeld ist ein Mietzuschuss, abhängig von Miete, Einkommen, Haushaltsgröße und Wohnort. Wer dem Grunde nach BAföG oder BAB bekommen könnte, ist meist ausgeschlossen (§ 20 WoGG). Für 2027 liegt ein Gesetzentwurf mit Änderungen vor (Stand Oktober 2026).
Befreiung vom Rundfunkbeitrag
Wer BAföG, BAB oder Ausbildungsgeld bekommt und nicht bei den Eltern wohnt, kann sich laut Verbraucherzentrale befreien lassen. Nur Azubi oder Student zu sein reicht nicht.
Checkliste erste Wohnung
Diese Checkliste erste Wohnung sammelt die Punkte rund um den Auszug. Mehr für den Studienstart steht in der Studienbeginn-Checkliste.
- Erste eigene Wohnung Kosten im Rechner prüfen, Ampel mindestens Gelb
- Startkapital plus ein Monat Puffer auf dem Konto
- Mietvertrag lesen, Kaution und Nebenkosten prüfen
- Übergabeprotokoll mit Fotos und Zählerständen
- Strom anmelden, Tarif vergleichen
- Internet früh bestellen
- Innerhalb von zwei Wochen ummelden
- Rundfunkbeitrag anmelden oder Befreiung beantragen
- Haftpflicht und Hausrat klären
- BAB, BAföG oder Wohngeld vor dem Einzug beantragen
Unser Finanz-E-Book: Geld im Griff
31 Seiten zu Budget, Abo-Check, Notgroschen, erster Wohnung und ETF-Grundlagen mit 32 Quellen, dazu ein Planer zum Ausdrucken und ein Excel-Haushaltsbuch. Für 9,99 €, kein Abo, keine Anlageberatung.
Typische Fehler
Nur die Kaltmiete vergleichen
Laut Mieterbund reichen die Nebenkosten bis 3,68 Euro pro m², wenn alle Kostenarten anfallen. Bei 35 m² sind das 129 statt 93 Euro im Monat. Deshalb immer die Warmmiete und den Energieausweis ansehen.
Die Nebenkosten-Vorauszahlung für die Endsumme halten
Die Vorauszahlung schätzt der Vermieter. Ist sie zu niedrig, kommt nach einem Jahr die Nachzahlung. Ein Abgleich mit 2,67 Euro pro m² zeigt, ob sie realistisch ist.
Hilfen erst nach dem Einzug beantragen
BAB und BAföG gibt es frühestens ab dem Monat der Antragstellung. Wer zwei Monate wartet, verschenkt zwei Monate.
Merksatz
Die Kaltmiete ist der Eintrittspreis, nicht die Rechnung. Wer für die erste eigene Wohnung Kosten plant, rechnet alle Posten zusammen, bleibt möglichst unter 40 Prozent und spart vorher das Startkapital an.
Heute Abend: die Wunschwohnung in den Rechner eintragen und den Ampel-Wert notieren. Liegt er über 40 Prozent, morgen ein WG-Zimmer zum Vergleich durchrechnen.
Selbsttest
Sieben Fragen zu den Kosten der ersten Wohnung. Wer fünf richtig hat, ist bereit für die Wohnungssuche.
Weiterlesen und Quellen
- Notgroschen: wie viel und wohin damit
- Budget aufteilen mit der 50-30-20-Regel
- Stromkosten berechnen
- Abo-Kosten berechnen
- Studienbeginn-Checkliste
- Alle kostenlosen Rechner und Selbsttests
- § 551 BGB: Begrenzung der Mietsicherheit
Quellen (geprüft am 04.11.2026): Destatis, EU-SILC 2025 (baulinks.de, 17.07.2026); Deutscher Mieterbund, Betriebskostenspiegel 2024 (18.12.2025); Stromspiegel 2025; BDEW-Strompreisanalyse 10/2026; KEF-Empfehlung (ZDFheute, 20.02.2026); Verbraucherzentrale zum Rundfunkbeitrag (16.01.2026); Stiftung Warentest (18.05.2026); Regelsatz 2026 (buerger-geld.org, 19.03.2026); WG-Gesucht und Moses Mendelssohn Institut, WS 2026/27; § 551 BGB, §§ 60, 61 SGB III, § 13 BAföG, § 20 WoGG; studierenplus.de (19.10. und 22.10.2026). Keine Rechts- oder Finanzberatung.
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